POKERACADEMY Deutschland Limited

Völlig legal der hohen Kunst des Bluffens frönen

Regelmäßige Poker-Turniere im Bavarian American Hotel am Bahnhof - Neuer Trend bei jungem Publikum



Im Hinterzimmer des Bavarian American Hotel am Bahnhof: Auf dem Tisch liegen Jetons im Wert von mehreren Tausend Euro. Zahlreiche Zocker sitzen mit Schweißperlen auf der Stirn vor ihren Karten. Haben wir es hier mit illegalem Glücksspiel zu tun? Folgt nun die knallharte Undercover-Reportage?

Aber nein. Das Treiben im BA-Hotel ist völlig legal, die Wertangaben auf den Jetons sind rein symbolisch. Und wirklich verlieren kann im Grunde niemand. Lediglich 15 Euro Startgebühr sind mitzubringen. Nicht gerade geschenkt. Aber im Vergleich zu den 500 Euro, die man in einem staatlichen Spielcasino - nur dort ist das Pokern um Geld legal - mindestens berappen muss, geradezu ein Schnäppchen. Für die 15 Euro erhält man Jetons im Symbolwert von 1500 Euro. Die besten Spieler des Abends können sogar etwas gewinnen: Sachpreise im Wert von zehn bis 100 Euro. Das kann etwa ein Pokal, ein Handy, eine Computertastatur oder eine DVD sein.

Das Pokerturnier, das jeden Mittwoch ab 19 Uhr steigt, geht auf eine clevere Geschäftsidee zweier Nürnberger Pokerfans zurück: Alexandar Darbutovic (40) und Roland Schuster (41). Die beiden sammelten bereits Erfahrungen mit der riskanten Geldspiel-Variante: "Wir haben schon öfter in Casinos gespielt, aber wir spielen nach System", sagt Alexandar. Poker ist für ihn "kein Glücksspiel, sondern Mathematik". Und natürlich die Kunst des Bluffens. Grob gesagt geht es nach den Regeln darum, in seinen verdeckten Karten bestimmte Kombinationen zu haben. Man kann den Einsatz in die Höhe treiben und auch bei einem schlechten Blatt mit Poker-Face-Mimik exzellente Karten vortäuschen. Ziel ist es in dem Fall, die Mitspieler zum Aussteigen zu bewegen.

Manch einer, wie der Schreiber dieses Textes, kennt Poker vielleicht aus eigener, aber vergleichsweise harmloser Erfahrung, spielte als Jugendlicher im Freundeskreis um Sachwerte wie Hörspielcassetten, Groschenromane oder Schallplatten, Dinge eben, die damals bei Jungs um die 14 Jahre populär waren. Vielleicht lernte er dabei auch die starke Faszination kennen, die von dem Spiel ausgehen kann. Und dass der Punkt schnell erreicht ist, an dem man "Haus und Hof" verspielen könnte.

Könnten die entschärften Pokerturniere eine Einstiegsdroge für das gefährliche Spiel um Geld sein? Oder sind sie nur ein ganz harmloser Freizeitspaß? Alexandar Darbutovic: meint dazu: "Natürlich gibt es den einen oder anderen, der von Poker süchtig werden kann. Am schlimmsten ist es aber, wenn man im Casino um Geld spielt und keine Ahnung hat." Darbutovic und Schuster veranstalten im Rahmen ihrer Poker-Akademie auch Seminare, bei denen man sich zum perfekten Pokerspieler ausbilden lassen kann. Ganz billig sind die allerdings nicht.

Poker liegt jedenfalls im Trend. Eurosport und DSF strahlen mittlerweile einschlägige Turniere mit guten Einschaltquoten aus. Auch der Abend im BA-Hotel ist trotz des heißen Sommers gut besucht. Vorwiegend Männer jüngeren Alters sind es, die mit großem Engagement zocken. Vertreten sind Studenten, Ärzte, Anwälte. Die Kleidung ist eher lässig, Anzüge und Krawatten werden kaum gesichtet.

Angesichts der Resonanz verwundert es nicht, dass sich die Veranstalter schon über das BA-Hotel hinaus ausbreiten. Turniere steigen etwa am 5. 8. im "Brothers" (Bamberger Str. 6) und am 7. 8. in der Vino-Bar (Untere Wörthstr. 7). Am 19. 8. schließlich wird die Pegnitz-Meisterschaft in den Schwaiger Pegnitz-Stuben veranstaltet. CH. SCHULZE KALTHOFF

*Quelle: NÜRNBERGER NACHRICHTEN

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